Greenland 2018

Juli, 2018

Krabben, versuchte Meuterei und Ankunft in Sisimiut

Aasiaat ist zwar ganz nett aber viel zu neblig. Für Samstag ist Sonne angesagt, doch leider verhindert der Nebel, dass diese uns an Bord erreicht. Am Nachmittag werfen wir die Leinen los, verabschieden uns von Kapitän und Crew der Togo und fahren durch die Inselwelt gen Süden. Viel zu sehen ist nicht. Mangels Wind muss der Motor helfen. Um 22:45 Uhr erreichen wir Kangatsiaq und gehen als viertes Schiff bei Fischern längsseits. Unser Nachbarboot ist die Ikka, die wir bereits aus Aasiaat kennen. Auf unsere neugierigen Fragen hin bekommen wir an Bord alles gezeigt und uns wird anschaulich erklärt wie der Krabbenfang funktioniert. 50 Krabbenkörbe werden hintereinander ins Wasser gelassen und addieren sich dabei auf eine Länge von 1,5 km auf. Bei 10-20 kg Krabben pro Korb werden so bis zu 1,5 Tonnen Krabben nach 1-2 Tagen wieder an Bord gezogen. Was für eine Arbeit! Wir lernen, dass die Gewässer vor Grönlands Küste in Fanggebiete eingeteilt sind, die wechselnd befischt werden. Ruhepausen von 5-10 Jahren ermöglichen immer wieder die Regeneration der Bestände und sichern diese somit für die nachfolgenden Generationen.  Die Krabben werden meist in den asiatischen Raum verkauft und bringen gutes Geld. Gefischt wird das ganze Jahr über, im Winter auch. Während wir uns für den nächsten Tag Sonne wünschen, winken die Krabbenfischer ab. Sie mögen es nicht so gerne sonnig und warm, da ihnen bei der Arbeit auch so warm genug wird. Okay – das ist eine andere Sichtweise. Wir bekommen fünf Krabben im Tausch für ein paar kleine Geschenke. Nach Anleitung töten wir die Krabben, nehmen sie aus und lassen uns noch erklären wie wir sie zu kochen haben. Am nächsten Abend speisen wir göttlich!!!

In den folgenden Tagen kommen wir in Tagesetappen gut voran Richtung Süden, nachts stoppen wir an netten Ankerplätzen. Uli und Astrid freuen sich einen Tag lang über eine achterliche Brise und entspanntes Segeln. Die Crew jedoch sieht das anders. Niclas und Helga verweigern das essen und wünschen sich „Segeln hart am Wind“. Kaum am Ankerplatz angekommen kündigen sie an, die LUNA zu verlassen, einen Helicopter zu bestellen und sich nach Sisimiut fliegen zu lassen. Für Niclas kein Problem, er hat ja Mama’s Kreditkarte dabei! Am nächsten Morgen hat jedoch niemand gemeutert und wir setzen unsere Reise ohne Zwischenfälle fort. Kurz vor Sisimiut machen wir kurz Halt zum Angeln, bergen das Groß und lassen uns treiben. Schon nach kurzer Zeit liegen 9 Polardorsche im Eimer! Die ersten wandern gleich nach dem Anlegen in Sisimiut in die Pfanne. Lecker!

(Astrid, 25. Juli)

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Freitagnacht in Aasiaat

In Aasiaat haben wir dann längsseits an der Togo einem alten Kutter festgemacht. Wieder hatten wir Glück mit den Nachbarn und stießen auf einen sehr netten Kapitän, welcher uns auch auf eine Tour whale -watching  mitgenommen hat. In der Bucht vor dem Hafen waren nämlich vier Finwale,  welche wir von dem Zodiak gut aus der Nähe  beobachten konnten. Während unseres Landgangs stießen wir dann in einem Supermarkt auf ein Plakat, welchem zu entnehmen war, dass am Abend in einer kleinen Halle eine Liveband spielt. Also sind wir dann mit dem Kapitän von der Togo dort hingegangen und haben uns das angesehen. Dort haben wir ein paar Bier getrunken und uns mit den vielen Grönländern unterhalten. Es war lustig und die Musik war gut. Mit der Zeit jedoch wurden die Grönländer betrunkener und somit auch aufdringlicher. Sämtliche Anbaggerversuche wurden jedoch gut abgewehrt und wir sind gegen 2 Uhr zurück zur Luna gegangen und haben uns in die Kojen gelegt. Am nächsten Tag durften wir noch bei den netten Nachbarn duschen und haben einen Liter Sahne bekommen, über den sich Helga sich besonders gefreut hat. Dann ging es im dichten Nebel weiter.
(Niclas, 20./21. Juli)

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Zu Fuß

In Illimanaq steigen Claudia und ich aus. Wir haben uns vorgenommen, vier Tage wandern zu gehen. Im morgendlichen Nieselregen machen wir uns auf ins Hinterland. Das gehen fällt mir schwer, denn nach Monaten auf Schiffen bin ich völlig untrainiert und der Rucksack wiegt schwer. Schon am ersten Tag verlieren sich die Quadspuren denen wir folgen im Nichts. Dass der Weg nicht markiert ist wussten wir vorher. Wir haben eine Papierkarte und ein GPS mit Garminkarte dabei, auf denen der Weg ausreichend gut eingezeichnet ist. Erfreulicherweise stimmt die GPS-Position immer genau. Die meiste Zeit müssen wir querfeldein gehen und uns an Seen, Bächen und Hügeln orientieren. Wir überqueren diverse Bäche, moorige Wiesen, Felsen und Hänge und schon am ersten Tag sind unsere Wanderstiefel durchnässt. Und es ist kalt. Am ersten Abend liegen wir bereits kurz nach acht im Zelt, lesen und schlafen früh ein. Es regnet so sehr, dass Wasser unter unseren Isomatten über den Zeltboden talwärts läuft. Am Morgen können wir zwar ohne Regen frühstücken, müssen uns aber mit Moskitonetzen vor den Mücken schützen, damit das Müsli fleischlos bleibt. Sobald Nebel und Wolken den Blick freigeben werden wir mit tollen Aussichten für unsere Mühen entschädigt. Unterwegs treffen wir zwei weitere Wanderer und im Lachsfjord eine Yacht aus Norwegen. Ansonsten sind wir alleine und genießen die Weite und die Ruhe. Am dritten Tag klart es abends auf und wir können noch lange vor dem Zelt in der Sonne liegen. Unser Zelt steht auf einer Blumenwiese und nachts ist es trocken. Am letzten Tag stellen wir fest, dass es bei Sonnenschein gleich viel zu heiß ist zum Wandern. Diese Etappe ist zum Glück kurz und es gibt einen Trampelpfad. In Qasigiannguit zelten wir am Ortsrand hinter den Hundeplätzen. Abends gönnen wir uns ein Festmahl (Rentierbraten und Bier) im Hotel Disko Bay. Die Nacht ist unruhig: mit Radladern wird bis 23 Uhr am Fußballplatz gebaut, danach kläffen die Hunde und danach rüttelt der Wind bis um 3 Uhr früh am Zelt, morgens jaulen wieder die Hunde. Um 10: 25 bringt uns die Fähre der Disko Line nach Aasiaat. Dort treffen wir Luna mit Uli und den anderen wieder. Schön, dass das so gut geklappt hat!

ausgesetzt
verregneter Sommer
Aussicht vom ersten Übernachtungsplatz aus
letzte Hürde – Claudia bei der Bachüberquerung

 

hier geht’s rüber – von Stein zu stein
letzte Etappe bei Sonnenschein

(Astrid, 16.-20. Juli)

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Disko Bay

In der Disko Bay ist einfach zu viel los um sich die Zeit mit Blogbeiträgen zu vertreiben.
Zum Crewwechsel geht es nach Ilulissat, wie zu erwarten treffen wir auf knapp 10 sm Eis. Der Isfjord Kangia, seit 2004 Weltkulturerbe der UNESCO, macht seinem Namen alle Ehre. Laut Reiseführer ist der Gletscher Sermeq Kullajeq der produktivste der Nordhalbkugel. Das 3 km dicke Eis bewegt sich zum Isfjord, an der Abbruchkante mit 40 m pro Tag. Die Abbruchstücke sind bis zu 1000 m dick, bis zu 1 Millionen Tonnen schwer und nur die „Kleineren“ können den am Ausgang 200 m tiefen Fjord verlassen. Aber auch die 10-30% sichtbaren Teile der „kleinen“ Eisberge sind beeindruckend. Bis zu 50 m hoch ragen aus dem Wasser. Wir halten auch respektvoll Abstand. Wann es zu Abbrüchen und/oder einem Kippen der Giganten kommt, können wir nicht vorhersagen. Zu wenig Abstand kann schnell gefährlich werden, die tsumani-artigen Wellen alleine haben es schon in sich.
Leider wird es dieses Schauspiel wegen des Klimawandels zukünftig nicht mehr geben. Die Gletscherzunge, die den Isfjord speist wird immer kürzer. Eisberge entstehen nur, wenn der Abbruch direkt ins Wasser erfolgt. Damit ist in absehbarer Zeit Schluss, einzig die Schifffahrt freut es vielleicht. Die Eisberge treiben teils weit in den Süden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Eisberg, der die Titanic versenkt hat, auch von hier stammt.
In der gesamten Disko Bay treiben die weißen Riesen, näher am Fjord kommen kleine Growler, Eisbrocken und Stücke dazu. Das Wasser ist teils komplett bedeckt mit Eis. Wir bewegen uns unter Motor langsam im Zickzack Kurs Richtung Ilulissat. Astrid und Lucia gehen Ausguck im Mast und versuchen etwas freiere Passagen auszumachen. Kleine Eisstücke muss LUNA aushalten, größere werden vom Bug aus mit einem langen Bootshaken zur Seite geschoben, so dicht ist das Eis stellenweise, laut Eiskarte 4/10 Bedeckung. Immer wieder begegnen wir Grönländern in ihren kleinen offenen Motorbooten, sie bewegen sich zwar schneller als wir gekonnt durchs Eis, müssen aber auch vorsichtig im Schlingerkurs fahren.
Nach ein paar Stunden Eisfahrt mit 2-3 kn können wir die Einfahrt von Ilulissat vor uns sehen. Das Eis vor der Hafeneinfahrt lässt ein Einlaufen zu, zum Glück.

Der Innenhafen ist eng und voll, wir legen an einer französischen Yacht längsseits an, als Dritte im Päckchen. Das an Land Klettern ist diesmal wesentlich komfortabler als in Nuuk.
Selbst im Hafen ist man nicht ganz sicher vor dem Eis. Mit der Flut schwimmen immer wieder auch große Eisberge in den Hafen, die wir zur Seite schieben müssen (das passiert leider auch mitten in der Nacht). Ab und an müssen sich die Boote den Weg durch die Einfahrt krachend frei brechen. Und der Ebbstrom zieht die meisten Eisberge später wieder mit hinaus, so dass für ein paar Stunden Ruhe einkehrt. Die französische Yacht, an der wir anfangs längsseits liegen, muss beim Auslaufen einiges Eis gut dosiert mit langsamer Fahrt zur Seite räumen, teils wird es mit drauf fahren von ihr geteilt, so kann sie sich zwischen einem Kutter und dem Eis langsam aus dem Hafen manövrieren.
Ansonsten herrscht reges Treiben im Hafen, wir haben zum Glück einen Platz, den wir nicht ständig räumen müssen. Unzählige Fischerboote kommen und gehen, sowie Touristenboote und Yachten. Robben und Fisch werden an der Fischfabrik ausgeladen.
Wir treffen die beiden RUSARC Schiffe von Daniil (Peter 1 und Rusarc Aurora) und später auch die Crystal, neben der wir schon in Nanortalik gelegen haben. Und Frischwasser Bunkern klappt auch problemlos. Alle Tanks an Bord der LUNA sind leer. Die anderen Segler berichten, dass die Fischfabrik angeblich nur noch widerwillig ihren Schlauch zur Verfügung stellt. 400 l in Kanistern herbeischleppen ist kein Vergnügen. Aber Astrids Charme wirkt: „Kein Problem“, wir verholen kurz und können uns sogar mit dem warmen Wasser noch eine komfortable Wäsche gönnen (Duschen gibt es hier nicht).
Der Ort selbst ist schon sehr touristisch mit mehreren Hotels und Souvenir Shops, Kanufahren und Eisausflüge werden angeboten. Die Stadt ist voll mit rundum in neueste Outdoormode gehüllten Urlaubern. Schlittenhunde gibt es hier mehr als Einwohner. Ob die Touristen die Zahl der Schlittenhunde übersteigt ist schwer einzuschätzen. Wenn ein Kreuzfahrtschiff hier auftaucht bestimmt.
Nach Wanderung zum Isfjord und Stadtrundgang und zwei Nächten in warmen Betten mit Dusche fliegen Lucia, Henri, Annette und Frank weiter nach Island.

Die neue Crew Susanne, Helga, Claudia, Niclas und Heidi reist nach und nach an. Die Sonne verwöhnt uns mal wieder, es ist erstaunlich warm. Das richtige Begrüßungswetter.
Astrid und Claudia wollen ein paar Tage wandern. LUNA bringt sie zum Start nach Illimanaq. Um den gut 10 sm entfernten Ort zu erreichen benötigen wir einen ganzen Tag. Es geht in einem weiten Bogen langsam einmal am Isfjord vorbei nach Süden. Vor Ilulissat ist das Eis noch dichter geworden, am Fjordausgang ist alles dicht. Die neue Crew ist beeindruckt. Niclas absolviert ein ordentliches Sportprogramm am Bug mit Eis wegräumen.

Obwohl Illimanaq direkt südlich vom Isfjord liegt ist die Bucht so gut wie eisfrei.
Kurz vor dem Ziel sichtet ULI noch Buckelwale. Wir nähern uns vorsichtig den mit der Jagd beschäftigten Tieren. Die Tiere tauchen mehrmals gemächlich zum Luftholen auf, zeigen Rücken und Blas. Dann verschwinden sie für ein paar Minuten und schießen dann alle dicht beieinander gleichzeitig mit aufgerissenen Maul in die Höhe. Von der Methode, die Beute unter Wasser mit Luftblasen einzukesseln und dann zuzuschlagen, hat bestimmt jeder schon einmal etwas gehört. Life ist nur der Teil oberhalb der Wasseroberfläche zu beobachten, wir sind beeindruckt.


Die Wandergruppe Astrid-Claudia gönnt sich doch noch eine Nacht an Bord, wir setzen sie am nächsten Morgen an der Pier aus. Die verbliebenen Vier versuchen sich durch das Eis aus dem Isfjord wieder Richtung Norden mit Ziel Ataa-Sund und Ataa Summer Camp durchzuschlagen. Nach Eiskarte ist mit Eis der Dichte 5/10, später 3/10 zu rechnen. Wir versuchen ein durchkommen, versuchen es in einen immer weiteren Bogen fast bis zur Disko-Insel. Nach 10 h und etlichen Versuchen nach Norden zu kommen gibt ULI auf. Immerhin müssten wir zwei Tage später nochmal da durch. Schade, es soll dort oben sehr schön sein. Aber das Eis ist so dicht, dass wir uns nur im Schritttempo durchschieben können. Die Logge funktioniert irgendwann nicht mehr, Unter den Rumpf gedrücktes Eis muss die Flügelräder beschädigt haben (Wir hatten noch überlegt sie vorsichtshalber zu entfernen, schön blöd.). Schrauben- oder Ruderschaden wollen wir nicht riskieren. Und es gibt ja noch andere schöne Ziele.
Also gehen wir auf Westkurs Richtung Disko Fjord (Westseite Disko-Island), ein kurzer Zwischenstopp in der Fortune-Bay könnte zum Beluga-Wal-Zähne organisieren genutzt werden. Wir hatten ja nur vier ohne Werkzeug beim letzten Stopp mitgenommen.

Dann dauert doch wieder alles länger und wir kreuzen nachts im Regen an der Fortune-Bay vorbei um mittags ganz am Ende eines Fjordarmes in der Nähe von Kangerluk zu ankern (Arsuk). Die 27 Stunden Fahrt hierher haben sich gelohnt. Der Bemerkung von Reinhard in seiner Seekarte „sehr schön“ ist treffend.  Vor uns plätschert ein Bach durch dichtes Grün in die Bucht, um uns sanfte Hügel. Es ist windgeschützt und ruhig. Selbst das UKW Funkgerät schweigt, kein Empfang hier drinnen. Den Rest des Tages verbringen wir mit gammeln und essen. ULI wundert sich beim Bilge trocken legen, dass ihre Finger nicht kalt werden. Eine Messung der Wassertemperatur bestätigt sie: Wir messen unglaubliche 9 °C, ULI freut sich auf ein warmes Morgenbad 😉
Für Dorsch ist es anscheinend zu warm, es gibt schon wieder keinen Fisch.
Beim Langgang entdecken wir mehrere Feuerstellen und leider auch Müll, scheint ein beliebtes Plätzchen zu sein. Der Bach wird von einem See gespeist, so warm ist der aber auch nicht um die ganze Bucht aufzuheizen. Schafft die Sonne das hier? Kommt uns unwahrscheinlich vor, die Lufttemperatur leibt ja auch einstellig. Von warmen Quellen steht nirgendwo etwas, wir klären die Ursache nicht mehr.

Helga braucht Auslauf und beschließt die 5 sm nach Kangerluk zu laufen,  LUNA folgt etwas später und wir nehmen sie abends mitsamt Strandgut wieder an Bord. Kangerluk hat laut Revierführer nur gut 30 Einwohner, die noch ganz traditionell von Fischfang und Jagd leben. Angeblich einer der isoliertesten Ortschaften Grönlands, deshalb seien die Einwohner besonders grönländisch. Helga begegnet immerhin 7 der 30 Bewohner, sogar eine Fähre legt kurz an.
Der nächste Morgen ist mal wieder einer der magischen Momente, die man so schnell nicht vergisst. Helga und ULI stehen um 6 Uhr auf, pünktlich zum Ankermanöver hebt sich der Nebel langsam. Kangerluks Häuser leuchten in der Sonne, eingerahmt von einem Nebelbogen, während der Fahrt aus dem Fjord tauchen immer mehr der Felsen und Bergspitzen, sowie Teile der Eiskappe in der Sonne auf.


Zur Abwechslung wieder eindrucksvolle und vielfältige Eisberge an der Küste und auf dem Weg zu den Kronprinsens Ejland, unserem nächsten Stop. So bekommt die aktuelle Crew das Naturschauspiel auch noch einmal unter besten Bedingungen zu sehen. „Jetzt kommt eine Schildkröte, danach das britische Parlament, eine Rutschbahn, ein liegender Mensch, ….“, so werden die Eisberge ULI während ihres Mittagsschlafes in der Sonne an Deck angesagt.
Und bevor wir Astrid und Claudia in Aasiaat wieder einsammeln können wir nochmal einen ganzen Tag segeln, was hier leider nicht so oft klappt.
(Uli, 12.-20. Juli)

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Wetter

Heute werden wir mit Sonnenschein verwöhnt! Meist war das nicht so. Im Süden Grönlands hatten uns Einheimische bereits bedauernd eröffnet, dass es dieses Jahr wohl keinen Sommer geben wird. Im April gab es ein paar Tage mit 30° C und seitdem ist es bitterkalt. In Nuuk hatten wir ekliges Regenwetter, auf unserem Weg nach Norden war es zudem meist neblig. Teilweise hat Wind aus Nordwest uns genötigt, alles an warmen Klamotten übereinander zu tragen; richtig warm war mir trotzdem nie. Nachts sank die Temperatur auf 2° C, tagsüber blieb es manchmal bei 3° C und wenn wir Glück hatten war es nachmittags mit 5° C etwas angenehmer. Gut, dass wir genügend Leute sind, um uns am Steuer abzuwechseln. Seitdem wir die Diskobucht erreicht haben, haben sich die Bedingungen deutlich gebessert. Den Nebel haben wir hinter uns gelassen, ebenso den Regen und oft haben wir nur wenige Wolken, teilweise strahlend blauen Himmel und super Sicht. Einziger Wehmutstropfen: meist herrscht Flaute und wir müssen dieseln um voranzukommen.

Heute auf dem Weg nach Ilulissat kurven wir um unzählige Eisberge herum. Der Horizont ist voll davon und wir genießen den Anblick. Wir haben unglaublich viel Glück, hier bei ruhigen Verhältnissen durchzufahren. Unvorstellbar, hier bei Starkwind und Seegang und wohlmöglich Nebel den Eismassen ausgeliefert zu sein….

Vor Ilulissat wird es nochmal spannend werden. Laut der letzten Eiskarte müssen wir uns auf 2/10 bis 4/10 Eisbedeckung einstellen.

(Astrid, 12. Juli nach dem Frühstück)

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Annette schreibt: Qeqertarssuag

Die Fahrt nach Qeqertarssuag verbringt ULI mit der Reparatur der Ankerwinde und Astrid mit dem Unterwasserfilmen von Eisbergen. Als wir um vier Uhr in der geschützten Bucht anlegen treffen wir auf die Muktuk. Auf dieser Segelyacht fährt eine Familie dauerhaft auf den Weltmeeren.

Zunächst machen wir einen Spaziergang durch den Ort und Annette hält immer wieder nach den Jungs Ausschau. Doch die brauchen noch bis 20.00 Uhr, um abgekämpft und glücklich aus der Wildnis zurückzukehren. Sie sind durch Bäche, Flüsse und Moore gewatet. Sie haben Schluchten über Geröllfelder überwunden und eine üppige Pflanzenwelt vorgefunden. Sogar junge Füchse konnten sie beobachten.

Auf die Ankunft der Jungs haben die Damen nur gewartet, denn unsere Bordkasse ist noch immer prall gefüllt und wir wollen heute statt Dorschfilet zu braten lieber Essen gehen. Im Inselhotel gibt es ein Restaurant. Die freundliche Bedienung erklärt uns die Speisekarte, es gibt Fisch…

Immerhin ist es Heilbutt. Als Annette sieht, dass andere Gäste eine Riesenkrabbe  bekommen, wird uns diese nach Rücksprache mit der Küche ebenfalls angeboten. Dazu gibt es eine Tomatensuppe mit Garnelen. Das Essen schmeckt köstlich.

Zum Ausklang machen alle bis auf ULI noch einen Spaziergang auf die Klippen mit Meeres-Eisberg-Blick, und an uns vorbei fährt ein großes Frachtschiff der Royal-Arctic-Line. Sieht toll aus, den riesigen roten Frachter zwischen den Eisbergen verschwinden zu sehen. Gemütlich klettern wir zurück und sehen, wohin der Frachter entschwunden ist! Gerade quetscht er sich in der Bucht zwischen die Luna und den Kai, wo er zwei Container aufnimmt. ULI steht überrascht an Deck und schaut an der roten Wand hoch, während wir anderen vom Ufer aus staunend und fotografierend zuschauen.

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Annette schreibt: Kangerdluarssuk (Fortunebay)

Gegen Abend fahren wir in die Kangerdluarssuk-Bucht auf der Insel Disko. Frank, Henri und Annette spielen wieder Speedangeln. Mit einer Nettoangelzeit von vielleicht 5 Minuten holen sie  fünf große Dorsche aus dem Wasser, wobei kleinere schon wieder zurückgesetzt werden. Jetzt müssen schon vier Leute ran zum Ausnehmen und Filetieren. Nach einem Festmahl mit Süßkartoffelmus und Kohlgemüse beginnt die erste Ankerwache. Da einige Eisbrocken in der Bucht liegen, muß jeder eine Stunde der Nacht aufpassen, dass sich kein Eisberg über die Ankerkette  oder gegen das Schiff bewegt. ULI wacht die Zeit, als die Tide ihren Tiefpunkt erreicht und entdeckt am Ufer das Skelett eines Belugawals.

Die nächste Siedlung Qeqertarssuag ist ca. 10 Km entfernt und Frank und Henri entscheiden sich, die Strecke zu wandern. ULI und Annette bringen die beiden an Land und spielen noch ein wenig mit dem Belulagawal-Gerippe, das zwischenzeitlich wieder aufgetaucht ist. Und gerade, als die Jungs aus dem Blickfeld sind, streikt die elektrische Ankerwinde. So ziehen wir  Frauen 45 Meter Stahlkette aus dem Wasser mitsamt dem  schweren Anker, alte Schwedinnen! Kein Problem.

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Annette schreibt: Shooting

Der nächste Morgen weckt uns mit herrlichem Sonnenschein und strahlend blauer Himmel lädt uns zur Überfahrt nach Disko ein. Wir nutzen diese tollen Bedingungen für ein Fotoshooting der Luna mit Eisbergen. Zunächst ist aus der Vielzahlt der Eisberge ein besonders schöner herauszusuchen. Und während wir uns so umschauen bricht von einem Berg neben uns gerade die Größe des Brandenburger Tors ab. Das kracht und rumst unglaublich laut.

Wir entscheiden uns zunächst für einen Berg mit türkisblauer Kante, die Luna besonders schön zur Geltung bringt. Annette und Astrid bringen sich im Beiboot in Position, dann lässt Lucia die Luna elegant vorbeigleiten.

Als nächsten suchen wir uns einen Eisberg mit Loch, durch das die Luna mal mit dem einem, mal mit dem anderen Segel zu sehen ist – wir haben ja Zeit. Die Sonne bringt das Eis und die Gesichter zum strahlen.

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Annette schreibt: Disko!

Weiter geht die große Fahrt. Wir fahren jetzt in die Diskobucht. Zunächst wird abgestimmt, ob wir nach Ata fahren, wo Fräulein Smillas Gespür für Schnee gefilmt wurde oder zur Insel Disko („Die große Insel“). Wir entscheiden uns für die große Insel, die der Bucht ihren Namen gab.

Um 20.00 Uhr gehen wir erstmal auf dem kleinen unbewohnten Kronprinsens Eiland vor Anker. Für die Zufahrt zur Ankerbucht mussten alle mit an der Reeling stehen, denn ein wunderhübsch geformter Eisberg hat sich genau in der Mitte gleich einer Skulptur präsentiert.

Nach dem Essen hat sich um 22.00 Uhr ein wunderbares Licht eingestellt und wir entscheiden uns für eine Landexpedition. Wir finden einige verlassene Häuser, einen Friedhof sowie wunderbare Aussichten auf Disko und Eisberge so groß wie Hochhäuser. ULI, Lucia, Henri und Annette fahren mit dem Dinghy nochmal zu der Skulptur in der Einfahrt, die im herrlichen mitternächtlichen Licht liegt.

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Annette schreibt: Inselbesuch

Morgens können wir uns endlich einmal ausschlafen. Am Morgen gibt es frische Brötchen und eine Dusche. Auf Kangaatsiaq arbeitet das Team von Thorsten aus Berlin. Sie sind für eine dänische Firma in ganz Grönland unterwegs und reparieren Kraftstoffanlagen. Sie bieten uns ihre Dusche und wir vier Büchsen Carlsberg an, was alle dankbar annehmen.

Es werden ausgedehnte Inselsparziergänge unternommen, wobei wir Schlittenhunde beobachten können. Sogar ein zum Trocknen herausgehängtes Eisbärfell finden wir. Ansonsten sind die Inselbewohner an diesem Sonntag zunächst in der Kirche versammelt und gehen dann spazieren. Die Kinder toben sich auf dem Fußballplatz aus.

Und zum Essen? Natürlich Schorsch den Dorsch! Reinhalten – Rausholen – Essen. Natürlich nur Filet.

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