Greenland 2018

Meine Wache beginnt um 03:00 früh. Der Mond, nur noch eine Sichel, aber hell genug, beleuchtet den Weg durch die schwindende Nacht. Voraus an Backbord blinkt das Leuchtfeuer Barra  Head alle 15s. Mit dem ersten Morgengrauen werden die Umrisse vom Land sichtbar. Schottland empfängt uns mit einer kräftigen Regenbö. Luna zieht unter voller Besegelung an und prescht mit 7-8 kn voran. Wir runden Barra Head und segeln mit der aufgehenden Sonne bei mäßiger Brise die Hebridensee hoch  gen Norden. Die Sonne taucht die Inseln in ein fast magisches Licht, Regenbögen leuchten über satt grünen Wiesen, die Luft duftet erdig.
Carola kocht Kaffee, Eshana übernimmt um 06:00 das Ruder. Wir trimmen die Segel und segeln nun hoch am Wind. Die Sonne lacht, und wir lachen auch. Es ist ein wunderbares Gefühl hier anzukommen. So leicht, so unbeschwert.
Unsere Überfahrt war grandios, schönstes Atlantiksegeln, sorgenfrei. Die Wettergötter haben es gut gemeint mit uns. Tagelang Wind von achtern, nie zu viel, keine Flaute. Dazu einige Wale und viele viele Delphine, Seevögel, immer mal wieder Sonne, ab und zu der Mond und Sterne. Ich bin dankbar und erleichtert.
Ich hatte einen Riesenrespekt vor dieser Etappe. Den ganzen Sommer lang hat es am Kap Farvel gestürmt. Schlimmstenfalls kommt hier alles zusammen – Sturm, Kreuzseen und Eis. Wir waren uns einig, dass wir nur bei einem guten Wetterfenster starten, kein Risiko eingehen und das Wetter mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln im Auge behalten. Wir haben täglich gribfiles über IridiumGo abgerufen und über Navtex Wettermeldungen und Faxkarten erhalten. Zusätzlich hat Reinhard von Land aus für uns die Lage im Auge behalten und täglich Wetterinfos und Routenempfehlungen geschickt. So ist es uns gelungen, vom ersten Tief nur etwas Starkwind ab zu bekommen und allen weiteren Starkwindfeldern sowie Flauten auszuweichen. Unser Kurs verlief dazu erst Richtung Südost und erst später Richtung Ost. Als Zwischenziele hatten wir Casablanca und später auch mal Island voraus. Vor vier Tagen haben wir dann entschieden, durch den Kaledonien Kanal und nicht über die Orkneys zu fahren. Und nun sind wir genau dort angekommen, wo wir auch hin wollten. Ohne kreuzen, einfach immer nur mit dem Wind und der Nase nach.
Ein paar Stunden später: Luna schaukelt zufrieden am Anker, am Ufer weißer Sandstrand, die Sonne scheint. Morgen trauen wir uns dann weiter in die Zivilisation vor, über Tobermory und Oban werden wir nach Fort William am Eingang des Kaledonien Kanal segeln.

1 thought on “Landfall

  1. Wie toll, dass Ihr wieder wohlbehalten in Schottland gelandet seit! Was eine Reise… wirklich beeindruckend – und ich bin froh, ein kleiner Teil davon gewesen zu sein. Nehmt Euch vor der Zivilisation in Acht – mich hat Kopenhagen schon nach den drei Wochen Grönland wirklich überfordert… wie muss das wohl für Euch sein!?

    Liebe Grüße aus Kassel!
    Markus

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